Zirkus an der Uni: Rebeccas Weg zur Profi-Artistin
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Zirkus an der Uni: Rebeccas Weg zur Profi-Artistin

Zirkus kann man tatsächlich studieren. Rebecca hat ihr Studium vor einem Jahr abgeschlossen und erzählt, wie Bewerbung, Training und Theorie an einer Zirkushochschule ablaufen – und welche Wege danach im Beruf möglich sind.

Von Rebecca Neubauer
25. Februar 2026

Zirkus als Studium BWL, Biologie, Physik, Agrarwissenschaften, Medizin, Archäologie, Sportwissenschaften – es gibt wirklich viele Studiengänge. Aber wusstet ihr, dass man auch Zirkus studieren kann? Auch wenn im Zirkus viel mit Humor gespielt wird: Das hier ist kein Scherz!

Mehrere Künstler*innen aus unserem Umfeld – unter anderem Rebecca – haben genau das gemacht: Zirkus studiert. Es gibt einige Institutionen, die talentierten Artist*innen ermöglichen, ihre Fähigkeiten gezielt weiterzuentwickeln. In Deutschland kann man zum Beispiel an Vorbereitungsprogrammen teilnehmen, etwa bei CircIntense oder CirArtive. Diese Programme helfen dabei, sich für besonders renommierte Schulen zu qualifizieren – oft werden sie auch „superior schools“ genannt.

Dazu gehörte unter anderem die „Acapa“ (kurz für „Academy of Circus and Performance Art“, auf Deutsch „Akademie für Zirkus und Performance Kunst“). Die Schule wurde 2024 umbenannt und heißt heute „Fontys Circus“.

Rebecca beantwortet uns ein paar Fragen zu diesem außergewöhnlichen Studiengang.

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Muss man in eine Zirkusfamilie geboren sein, um auf eine Zirkusschule zu gehen? Oder was muss man können, um aufgenommen zu werden? Nein, man muss nicht in eine Zirkusfamilie geboren sein, um aufgenommen zu werden. Um ehrlich zu sein, habe ich noch keine einzige Person kennengelernt, die aus einer Zirkusfamilie kommt und zusätzlich auf eine Zirkusschule gegangen ist. Es gibt – wie bei anderen Studiengängen – bestimmte Zulassungsvoraussetzungen. Für die Schule „Acapa“ in den Niederlanden musste man zum Beispiel Abitur oder einen gleichwertigen Abschluss haben. Dazu musste man gute Englischkenntnisse nachweisen. Noch wichtiger ist aber, dass man die körperlichen und künstlerischen Voraussetzungen mitbringt.

Wie läuft so ein Bewerbungsprozess ab? Bei der „Acapa“ gibt es zwei Bewerbungsphasen: die Vorauswahl und den Auswahlprozess vor Ort. Für die Vorauswahl musste man der Jury ein Video mit einer 3–5-minütigen Solonummer schicken. Zusätzlich habe ich damals ein Motivationsvideo aufgenommen, in dem ich erklärt habe, warum ich an diese Schule will. Als drittes gab es ein Video mit bestimmten Kraft-, Ausdauer- und Beweglichkeitsübungen, die ich nachmachen und filmen musste (z. B. Burpees, Liegestütze, Spagate).

Bei mir war die zweite Runde wegen Corona anders als heute. Inzwischen reisen die Ausgewählten aus vielen Ländern in die Niederlande und werden drei Tage lang bei der Audition vor Ort getestet. Man nimmt an speziellen Stunden teil – Theater, Tanz, Akrobatik, Zirkus, Kraft und Beweglichkeit. Wenn man dort eingeladen wird, hat man aber schon ziemlich gute Chancen, am Ende genommen zu werden.

Wie viele Bewerber*innen werden pro Jahr genommen? In einer Klasse sind bis zu 25 Studierende, gegen Ende eher 15–18. Das klingt wenig, macht aber total Sinn: Wir trainieren alle gleichzeitig in derselben Halle. Wenn alle Feedback bekommen sollen, kommen die Lehrkräfte bei deutlich mehr Leuten kaum hinterher. Und auch die Räumlichkeiten geben nicht viel mehr her.

Wie sieht so eine Woche auf der Zirkusschule aus? Hat man auch Theorieunterricht? Wir hatten wie in jedem Studium jedes Jahr verschiedene Module. In den ersten zwei Jahren gab es deutlich mehr Training als in den letzten beiden. Jahr eins und zwei sollen Grundlagen schaffen und die Studierenden körperlich und künstlerisch stark machen – als Basis für das Leben als Profi-Artist*in.

Wir hatten jeden Tag 90 Minuten Zirkus. Dabei trainiert jede*r in der eigenen Disziplin – bei mir war das Vertikalseil. Drei Mal pro Woche hatten wir Bodenakrobatik und zwei Mal pro Woche Trampolinakrobatik. Dazu kamen Theater, Tanz, Anatomie, Ernährung, Trainingslehre und Gruppenakrobatik.

In Jahr drei und vier geht es stärker darum, sich zu spezialisieren und den eigenen Weg im Berufsfeld zu finden. Kurse waren zum Beispiel Dramaturgie, Rigging, Didaktik oder Performance-Kunst. Ein Teil des angeleiteten Unterrichts fiel weg, dafür hatten wir mehr Möglichkeiten für externe Programme – und wir arbeiteten auf den Höhepunkt der vier Jahre hin: die Abschlussnummer.

Hast du dich auch mal verletzt? Ja. Zum Glück hatte ich nie eine ernste Verletzung durch einen Sturz oder Ähnliches. Aber es tut einem leider fast jede Woche irgendwo etwas weh – bei den vielen Trainingsstunden ist das fast unvermeidbar. Vor allem im ersten Jahr passiert es vielen, dass sie zu schnell zu viel trainieren und zu wenig Erholung haben. So ein „Overtraining“ führt dann zu Entzündungen in Gelenken, deren Heilung mit Physiotherapie 6–12 Wochen dauern kann. Bei mir war es die Schulter. Und wenn es nicht Muskeln oder Gelenke sind, dann sind es oft Wunden an der Haut. Damit lernt man aber umzugehen.

Gibt es ein Höchstalter für Zirkusschulen? Das ist je nach Schule unterschiedlich. Manche sagen transparent, dass sie nur Bewerber*innen bis 23 Jahre nehmen. Andere äußern sich nicht zum Alter. Eine Schule, die ich kenne, nimmt tatsächlich auch Menschen Ende zwanzig – das ist dann eher die Ausnahme.

Was macht man nach dem Zirkusstudium? Gibt es einen Master? Manche Absolvent*innen bekommen direkt einen Vertrag oder eine Förderung und fangen an aufzutreten – das sind aber die wenigsten. Am Anfang muss man sich erst einen Namen machen und sich viel bewerben. Viele unterrichten, manche steigen ganz aus und machen etwas anderes. Man kann auch ins Rigging gehen, in der Organisation von Zirkusfestivals arbeiten und noch einiges mehr. Es gibt unzählige Möglichkeiten, mit diesem Studium weiterzuarbeiten – die meisten machen sich am Ende selbstständig.

Arbeitest du jetzt im Zirkus? Ich arbeite als freiberufliche Zirkuskünstlerin. So etwas wie „im Zirkus arbeiten“ gibt es nicht wirklich. Wir sind unabhängige Künstler*innen, und es gibt ganz unterschiedliche Produktionen und Auftraggeber. Man kann als Artist*in mit einer Agentur wie „Pepe Show“ zusammenarbeiten, die Aufträge vermittelt. Oder man bewirbt sich selbst für Produktionen, die einen interessieren.

Eine weitere Möglichkeit ist, Förderungen zu beantragen. Dafür braucht man einen Projektplan und muss eine Jury von der eigenen Idee überzeugen. So können Projekte entstehen wie die Show „TwoGather“, die kürzlich im Pepe Dome gespielt hat – oder der „Überkopf-Stadtspaziergang“, der diesen Sommer wieder in der Münchner Innenstadt zu sehen sein wird.

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